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Prävention beim Hund: So kann gezielter Muskelaufbau die Beweglichkeit unterstützen

Wenn ich das Wort Physiotherapie erwähne, denken viele Hundehalter sofort an Arthrose, eine Operation oder einen Hund, der bereits deutliche Beschwerden zeigt.

 

Und genau das finde ich schade.

 

Denn warum beschäftigen wir uns mit dem Körper unseres Hundes oft erst dann, wenn bereits etwas nicht mehr so funktioniert, wie es sollte?

 

Wir putzen unsere Zähne nicht erst, wenn sie ausfallen. Wir bringen unser Auto regelmäßig zur Inspektion, bevor es liegen bleibt. Viele Menschen treiben Sport, um fit zu bleiben und nicht erst, wenn sie gesundheitliche Probleme bekommen.

 

Warum sollte das bei unseren Hunden anders sein?

 

Prävention bedeutet nicht, nach Problemen zu suchen

 

Wenn ich von Prävention spreche, meine ich nicht, ständig nach Krankheiten oder Problemen Ausschau zu halten. Für mich bedeutet Prävention, den Körper eines Hundes aktiv dabei zu unterstützen, möglichst lange beweglich, belastbar und leistungsfähig zu bleiben. Denn Bewegung ist weit mehr als nur Spazierengehen. Ein Hund nutzt täglich seinen gesamten Körper. Er springt, rennt, bremst ab, spielt, steigt ins Auto, läuft Treppen und bewegt sich auf unterschiedlichsten Untergründen.

 

Je besser sein Körper auf diese Herausforderungen vorbereitet ist, desto besser kann er mit ihnen umgehen. Natürlich gibt es dabei keine Garantien. Prävention ist kein Schutzschild gegen Erkrankungen oder altersbedingte Veränderungen. Aber sie kann dazu beitragen, den Körper sinnvoll zu unterstützen und die körperlichen Voraussetzungen zu verbessern.

 

Warum Muskulatur so wichtig ist

 

Einer der wichtigsten Bausteine der Prävention ist für mich eine gut entwickelte Muskulatur. Viele denken dabei sofort an Sporthunde oder Hunde, die besonders leistungsstark sein sollen. Dabei profitiert nahezu jeder Hund von einer guten Muskulatur, denn Muskeln übernehmen wichtige Aufgaben im Körper. Sie können Gelenke stabilisieren, Bewegungen unterstützen, Belastungen besser verteilen und für mehr Kontrolle im Bewegungsablauf sorgen. Ein Hund mit einer gut entwickelten Muskulatur verfügt häufig über bessere körperliche Voraussetzungen als ein Hund, dessen Muskulatur wenig gefordert wird.

 

Deshalb spielt Muskelaufbau nicht nur nach Verletzungen oder Operationen eine Rolle, sondern kann bereits vorher ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge sein.

 

Bewegung ist nicht gleich Bewegung

 

Viele Hunde bewegen sich täglich. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie gezielt Muskulatur aufbauen oder ihre Körperwahrnehmung fördern.

 

Ein Spaziergang ist wichtig und wertvoll. Für den gezielten Aufbau von Muskulatur und Koordination reicht er jedoch oft nicht aus. Ähnlich wie bei uns Menschen entsteht Muskulatur nicht allein dadurch, dass wir von A nach B gehen. Der Körper benötigt immer wieder neue Reize, um sich weiterzuentwickeln und anzupassen. Genau hier kann gezieltes Training ansetzen.

 

Was Du selbst für Deinen Hund tun kannst

 

Die gute Nachricht: Prävention beginnt nicht erst in einer Praxis. Es gibt viele Möglichkeiten, den Körper Deines Hundes auch im Alltag sinnvoll zu fördern.

 

Unterschiedliche Untergründe nutzen

 

Waldwege, Wiesen, Sand, Schotter oder leicht unebene Wege stellen unterschiedliche Anforderungen an den Körper. Der Hund muss sich immer wieder neu anpassen und trainiert dabei seine Koordination und Körperwahrnehmung.

 

Langsames Rückwärtslaufen üben

 

Rückwärtslaufen gehört zu den Übungen, die viele Hunde zunächst ungewohnt finden. Dabei fördert es die Körperkontrolle und das Bewusstsein für die Hinterhand. Wichtig ist dabei ein ruhiger und sauberer Aufbau ohne Druck.

 

Kleine Hindernisse bewusst übersteigen

 

Niedrige Stangen oder andere geeignete Hindernisse können dazu genutzt werden, Bewegungen bewusster auszuführen. Der Hund lernt dabei, seine Pfoten gezielt einzusetzen und Bewegungen kontrollierter auszuführen.

 

Balance fördern

 

Geeignete Balanceübungen können die Tiefenmuskulatur und die Körperwahrnehmung unterstützen. Wichtig ist dabei immer, die Übungen an Alter, Gesundheitszustand und Trainingsstand des Hundes anzupassen.

 

 

Warum Physiotherapie auch präventiv sinnvoll sein kann

 

Physiotherapie bedeutet nicht nur Behandlung. Sie kann auch dabei helfen, einen Hund gezielt beim Muskelaufbau und bei der Verbesserung seiner Bewegungsqualität zu unterstützen. Jeder Hund bringt andere Voraussetzungen mit. Alter, Rasse, Alltag, Aktivitätsniveau und körperliche Besonderheiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Deshalb gibt es selten den einen Trainingsplan, der für alle Hunde gleichermaßen geeignet ist.

 

Eine individuelle Betrachtung kann dabei helfen, Übungen auszuwählen, die zu den Bedürfnissen des jeweiligen Hundes passen. Zusätzlich können dabei Auffälligkeiten wie Verspannungen, Bewegungseinschränkungen oder ungünstige Bewegungsmuster auffallen, auf die gezielt eingegangen werden kann.

 

Mein persönlicher Blick auf Prävention

 

Für mich bedeutet Prävention nicht, nach Problemen zu suchen. Prävention bedeutet, den Körper eines Hundes aktiv auf die Anforderungen seines Lebens vorzubereiten. Nicht erst dann, wenn bereits eine Diagnose gestellt wurde. Nicht erst nach einer Operation. Nicht erst dann, wenn der Hund deutlich zeigt, dass ihm etwas schwerfällt.

 

Sondern vorher.

 

Denn auch wenn wir die Zukunft nicht vorhersagen können, können wir heute dazu beitragen, unserem Hund möglichst gute körperliche Voraussetzungen mit auf den Weg zu geben.

 

Und genau deshalb sollte Prävention aus meiner Sicht nicht die Ausnahme sein, sondern ein selbstverständlicher Teil eines gesunden Hundelebens.

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